Informiert entscheiden

Sextortion: Hilfe bei Erpressung mit intimen Aufnahmen

Wenn jemand mit der Veröffentlichung intimer Aufnahmen droht, erfülle weder Geldforderungen noch die Forderung nach weiteren Bildern. Hole dir Unterstützung und wende dich an die Polizei. Die Verantwortung für die Erpressung liegt bei der drohenden Person, nicht bei dir.

01 / Orientierung

Was ist bei einer Drohung der erste Schritt?

Bei unmittelbarer Gefahr wähle in Deutschland den Polizeinotruf 110; bei einem medizinischen Notfall 112. Warte dann nicht auf eine Plattformantwort. Die Polizei empfiehlt, kein Geld zu überweisen, Forderungen nicht zu erfüllen und den Kontakt abzubrechen. Eine Zahlung garantiert nicht, dass Aufnahmen gelöscht werden. Sende auch kein weiteres Material als vermeintlichen Ausweg. Wenn die Situation überwältigend wirkt, bitte eine vertraute Person, bei den nächsten Schritten bei dir zu bleiben. Du musst jetzt keine lange Erklärung an die erpressende Person formulieren.

02 / Orientierung

Wie gehe ich mit Beweisen und Aufnahmen um?

Kontaktiere deine lokale Polizeidienststelle und stimme das Vorgehen ab. Die Polizei nennt ausdrücklich Beratung dazu, ob Screenshots oder ein gespeicherter Chat sinnvoll sind. Notiere zunächst vorhandene Profilkennungen, Zeitpunkte und den Wortlaut der Forderung, ohne zusätzliche intime Aufnahmen herunterzuladen oder weiterzuleiten. Bei Aufnahmen Minderjähriger ist eine pauschale Aufforderung zum Kopieren besonders ungeeignet. Lass dich dazu direkt von der Polizei anleiten und lösche vorhandene Hinweise nicht vorschnell.

03 / Orientierung

Wen informiere ich auf der Plattform?

Melde die Drohung und gegebenenfalls bereits veröffentlichte Inhalte dem jeweiligen Dienst. Die Polizei empfiehlt, den Betreiber wegen der Entfernung des Materials zu kontaktieren. Bei Tinder ist eine Meldung auch nach einem Unmatch über das Supportformular möglich. Unser Vorschlag für die Beschreibung: Trenne die Drohung, den bekannten Veröffentlichungsort und die Forderung in drei kurze Angaben. Schicke sensible Dateien nicht wahllos an unterschiedliche Kontaktadressen; nutze den vorgesehenen Meldeweg.

04 / Orientierung

Kann StopNCII bei drohender Veröffentlichung helfen?

StopNCII beschreibt ein Verfahren, das aus vorhandenen Aufnahmen auf deinem Gerät einen digitalen Fingerabdruck erzeugt. Übermittelt wird dieser Hash, nicht die Aufnahme selbst. Teilnehmende Plattformen können Übereinstimmungen gegen ihre Richtlinien prüfen. Das Werkzeug entfernt nicht das gesamte Internet und bietet keine Garantie gegen jede Verbreitung. Der Dienst ist für eigene intime Aufnahmen Erwachsener gedacht, auf die du bereits Zugriff hast. Für Bilder, auf denen du unter 18 warst, verweist StopNCII auf Take It Down – auch wenn du inzwischen erwachsen bist. Lade solche Aufnahmen nicht eigens herunter. Prüfe die Teilnahmebedingungen des jeweiligen Dienstes. Es ergänzt Meldung und Unterstützung, ersetzt aber weder die Polizei noch eine individuelle Beratung.

05 / Orientierung

Wo finde ich jemanden, der mir beim Sortieren hilft?

Der WEISSE RING nennt für sein anonymes, kostenfreies Opfer-Telefon die Nummer 116 006, täglich von 7 bis 22 Uhr. Du kannst dort Unterstützung nach einer Straftat erhalten; auch Angehörige können sich stellvertretend melden. Unser praktischer Vorschlag: Schreibe vor dem Gespräch nur drei Punkte auf: Was wird angedroht, über welchen Kanal und was wird gefordert? Eine vollständige perfekte Dokumentation ist keine Voraussetzung dafür, Hilfe zu suchen.

06 / Orientierung

Was sollte ich nach den ersten Meldungen festhalten?

Lege eine private Übersicht mit der zuständigen Stelle, Datum, Vorgangsnummer und vereinbartem nächsten Schritt an. So musst du unter Druck nicht jedes Mal den gesamten Ablauf rekonstruieren. Bewahre Zugangsdaten zu technischen Hilfsdiensten getrennt von öffentlichen Nachrichten auf. Reagiere nicht mit eigener Veröffentlichung, Drohungen oder Verhandlungen über weiteres Material. Welche Schritte zum Schutz deiner Konten sinnvoll sind, klärst du anhand der konkret betroffenen Zugänge.

Häufige Fragen

Beendet eine Zahlung die Erpressung sicher?

Nein. Die Polizei warnt, dass Forderungen nach einer Zahlung häufig weitergehen.

Muss ich die Aufnahmen an Freunde schicken, um Hilfe zu bekommen?

Nein. Du kannst die Drohung beschreiben und Unterstützung bekommen, ohne intime Bilder weiterzugeben.

Löscht StopNCII alle Kopien überall?

Nein. Das Verfahren wirkt nur bei teilnehmenden Plattformen und gemäß deren Regeln, nicht im gesamten Internet.

Quellen und Prüfstände

Jede Quelle belegt die jeweils genannte Aussage. Anbieterangaben sind Selbstauskünfte; eigene Produkttests wurden nicht durchgeführt.

5 Quellen und ihre Prüfstände ansehen
Sextortion Geprüft: 16.09.2026

Nicht zahlen oder weitere Forderungen erfüllen, Kontakt abbrechen, Polizei einschalten und Beweissicherung mit der Dienststelle abstimmen; Plattform wegen Entfernung kontaktieren.

Meldungen Geprüft: 16.09.2026

Melden über Profil/Chat; Offlinevorfälle und Meldung nach Unmatch über Supportformular möglich.

Opferhilfe Geprüft: 16.09.2026

116 006 bundesweit kostenfrei und anonym, täglich 7–22 Uhr; Unterstützung auch für stellvertretend anrufende Angehörige.

Hashverfahren gegen Bildmissbrauch Geprüft: 16.09.2026

Hash entsteht lokal, Aufnahme nicht übertragen; teilnehmende Plattformen prüfen Treffer, keine Entfernung aus gesamtem Internet. FAQ: eigene Aufnahmen Erwachsener; bei unter 18 auf dem Bild Take It Down, auch bei inzwischen Volljährigen.

Akute Gefahr und Notruf Geprüft: 16.09.2026

In akuter Gefahr Polizeinotruf 110; medizinischer Notfall oder Feuer 112.